Corlab - Personal data assisted medication

Corlab - Personal data assisted medication

Ein Herzinfarkt ist sowohl körperlich als auch geistig ein einschneidendes Erlebnis. Nach dem Vorfall ist das Leben ein anderes: 

Auch wenn das Ereignis überstanden ist, besteht nach wie vor eine koronare Herzkrankheit und der Patient gilt als Hochrisikopatient. 

Um das Herz zu entlasten, müssen Betroffene meist mehrere Medikamente einnehmen – und das oft dauerhaft, mitunter sogar lebenslang. Ziel ist es dabei, Risikofaktoren günstig zu beeinflussen, um einen weiteren Infarkt wirksam zu vermeiden. Die Einnahme ist nach der Konsultation beim Arzt meist eigenverantwortet und zeitaufwändig. Die genaue Kombination der Medikamente wird je nach Verträglichkeit und Nebenwirkungen individuell angepasst. Keinesfalls sollten sie selbstbestimmt abgesetzt werden. Dennoch kann es vorkommen, dass die Dosis im Abgleich mit den Vitalparametern modifiziert werden muss. Dies geschieht nach der eigenhändigen Aufzeichnung der Messgrößen häufig auf Basis von Erfahrungswerten. 

Circa fünf bis zehn Jahre in der Zukunft können wir uns folgendes System vorstellen:
Das Corlab unterstützt Patienten beim täglichen Umgang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es besteht aus einer App, zwei Sensoreinheiten und einem Dosiergerät. 

Kernfunktion ist eine cloudbasierte Auswertung der Vitalparameter für die automatisierte Dosierung und Ausgabe der Medikation. 
Der Patient nutzt eine Sensoreinheit zur Erfassung des Blutdrucks und der Herzfrequenz am Handgelenk. Eine eingebaute Sensoreinheit am Smartphone ermöglicht zusätzlich die Elektrokardiografie, bei der die elektrische Aktivität des Herzens aufgezeichnet wird. Hierzu muss der Patient auf der Smartphonerückseite befindliche Sensorflächen an seine Brust drücken. 

 

 

In den nächsten dreißig Sekunden wird dann ein Elektrokardiogramm erstellt.
Auf dem Smartphonebildschirm ist der Fortschritt abgebildet – aufgrund der Ergonomie wird die Anzeige dabei auf dem Kopf und spiegelverkehrt dargestellt. Der Blick auf den Bildschirm über einen Spiegel wird somit möglich. Vibrationen verdeutlichen zusätzlich mögliche Fehlermeldungen. Unterdessen wird der umliegende Prozess über die App von einem digitalen Chat Assistenten angeleitet. Dieser kann situationsbedingt auf unterschiedliche Szenarien reagieren und vereinfacht dabei die Mensch-Maschine Interaktion immens. Anleitungen werden rationalisiert und auf Fragestellungen kann direkt eingegangen werden. Das sprachliche Interface eines Chatbots bietet dabei weitreichende Möglichkeiten. Gekoppelt mit erweiterbaren Antwortmöglichkeiten in Form interaktiver Module können sehr genaue Informationen über die gesundheitliche Situation gewonnen werden.
Bei einer korrekten Erfassung der Vitalparameter findet eine Auswertung in der Cloud statt. Behandlungsverläufe und Daten bezüglich der Arzneimittelwirkung werden hier in umfangreichen Datenbanken abgeglichen. Das Ergebnis ist eine verlässliche und individuelle Anpassung der Dosierung für die optimale Wirkung der Medikation. Als integrer Charakter ist der Arzt obendrein in der Lage, die Arzneimitteldosierung zu prüfen und anzupassen.

 

 

Das Dosiergerät ist mit Kartuschen aller notwendiger Arzneimittelwirkstoffe bestückt. Damit lassen sich erforderte Mengen präzise dosieren und mischen. Das Ergebnis ist entgegen der bislang gängigen Methode nur eine einzelne Tablette. Diese entspricht der erforderlichen Medikation und kann direkt vom Patienten eingeworfen werden. Austauschkartuschen werden bei Bedarf automatisch beim Produzenten bestellt und an die Haustür geliefert. Ein Rücknahmesystem garantiert hochwertig produzierte Patronen, welche verschlusssicher versand werden können.

 

 

Für einen persönlichen Einblick in Liefertermine und die digitale Dokumentation des Krankheitsverlaufs besitzt die App eine Übersicht. Hier werden Trends veranschaulicht, der Behandlungsfortschritt visualisiert, Kartuschenfüllstände angezeigt und weitere Funktionen zugänglich gemacht. Interessant wird es für den Nutzer, will dieser anderweitige Arzneimittel konsumieren. In einer Funktion, die sich Big Data Prinzipien zunutze macht, können Wechselwirkungen in der Cloud überprüft werden. Der Patient sucht mithilfe des Chatbots oder einem Barcodescanner nach Arzneimittel- oder Wirkstoffnamen. Bislang dokumentierte Auswirkungen und Folgen werden mit der individuellen Situation verglichen. Der Nutzer erhält so eine zuverlässige Empfehlung zur Einnahme des gesuchten Medikaments.
Da durch die routinemäßige Messung und Bewertung wertvolle Datensätze entstehen, können diese der Forschung und Lehre zugänglich gemacht werden. Dies trägt zu neuen Behandlungsverfahren und verbesserten Medikamenten bei.


Galerie

 




Das Konzept ist im Rahmen der Bachelorthesis im Fach Interaktionsgestaltung im Wintersemester 2017 bis 2018 an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd entstanden.
Wir, Bruno Hornung und Maurice Wichert, die Absolventen, wurden von den PrüferInnen Professor Hans Krämer und Ann-Katrin Spörl betreut.