TrainMii – Digitale Anleitung

Dieses Projekt beschäftigt sich mit visual instructions – digitalen Handlungsanweisungen. Themenspezifisch wurde der Fitness Bereich gewählt, bei dem ein Smart Mirror zum Einsatz kommt. Mithilfe der Kinect trackt er Fitness Übungen, erkennt fehlerhafte Ausführungen und macht auf diese aufmerksam.

Einordnung
Das Fach Invention Design bietet Studenten die Möglichkeit, zukünftige technische Entwicklungen zu begleiten, sie zu erforschen und denkbare Szenarien zu konstruieren. Gegenstand dieses Semesterprojektes war, mit unkonventionellen Interfaces zu experimentieren. In Zukunft werden sich Nutzer nicht nur mit Handy-, Tablet- oder PC-Displays konfrontiert sehen, sondern auch mit Kühlschränken, Tischplatten, oder Spiegeln, die aber entsprechend ihrer spezifischen Anforderungen andere Ansprüche an die Gestaltung stellen. 
 
Übergeordnete Fragestellung dieses Semesterprojektes war, wie grafische Handlungsanweisungen auf einem Spiegel-Interface nutzerfreundlich gestaltet werden können.
 
Untersuchung
Zunächst sollte eine ausführliche Untersuchungsreihe Aufschluss über fundamentale offene Fragen geben. Es galt, Farben, Schriftschnitte, und Strichstärken sowie grafische Elemente auf ihre Lesbarkeit hin zu untersuchen. Welche Rolle spielt dabei der Hintergrund, der im Spiegel zu sehen ist? Wie wirken haptische bzw. auditive Ergänzungen des Feedbacks?
Die von den Testpersonen am besten bewerteten Entwürfe enthielten wenig Typografie, die grafischen Elemente waren in Weiß mit Hellgrün oder -Blauen Highlightfarben gehalten. Weiß ist auch auf hellen Hintergründen immer noch recht gut wahrzunehmen, störender sind Bewegungen, die die Aufmerksamkeit des Nutzers zu sehr beanspruchen und helle Lichtquellen. Optimal wird das Feedback durch gratifizierende auditive Signale ergänzt.
 
Ziel der Untersuchungsreihe war, ein Baukastensystem für Gestalter zu entwickeln, um Nutzer zu bestimmten körperlichen Handlungen anzuleiten. Eine fast grenzenlose Übertragbarkeit soll gewährleistet sein. Prinzipiell soll so wenig wie möglich aber so viel wie nötig an grafischer Hilfestellung geleistet werden. 
 
Prototyp
Um an einem konkreten Beispiel exemplarisch die Vielseitigkeit und Praktikabilität des Systems zu testen, wurde ein Prototyp entwickelt, bestehend aus einem halbdurchlässigen Spiegel, der Microsoft Kinect 2 und einem Display. Ein solcher Spiegel könnte in einem konstruierten Szenario beispielsweise im Fitnessstudio einen personellen Trainer ersetzen, der Übungen erklärt und bei falscher Ausführung den Nutzer korrigiert. 
Der Prototyp wurde in Javascript mit jQuery, CSS und HTML umgesetzt.
 
Prototyp
 
Im folgenden sind die einzelnen Elemente des Baukastensystems anhand konkreter Übungen zu sehen. 
Das Interface ist natürlich am Szenario ausgerichtet. Links ist der Name der Übung und die Navigation zu sehen, rechts die Anzahl der Sets und Wiederholungen. In anderen Kontexten wäre dieser Teil des Interfaces anzupassen.
 
Plank-wrong
 
Bei Übungen, die lediglich (Körper-)Achsen betreffen, sind Linien völlig ausreichend, um Fehlverhalten anzuzeigen und dem Nutzer den Unterschied zwischen Ist- und Soll-Zustand aufzuzeigen. 
 
Plank-correct
 
Andere von potentiellen Nutzern positiv bewertete Elemente sind zum Teil animierte Konturen. Sie können die Körperhaltung am genausten vorgeben. 
 
Weiter wurde ein Punktesystem entwickelt. Sie markieren Gelenkpunkte, die den Skelettpunkten die die Kinect generiert, entsprechen. Weicht die Position des Skelettpunktes zu stark vom Soll-Zustand ab, sind die Punkte weiß. 
 
Yoga-wrong
  
Grüne Punkte markieren eine korrekte Position.
 
yoga-correct
 
 
Alle grafischen Elemente schöpfen erst animiert ihr volles Potential aus. Ist der Soll-Zustand erreicht, ertönt der Bestätigungston und die grafische Hilfestellung faded aus. Die Optik und die Wirkung sind bewusst an etablierte Verhaltensmuster von Interfaces im Videospiel Bereich angelehnt. Das Muster, bestimmte Positionen zu erreichen, beispielsweise Münzen einzusammeln und dafür visuell und auditiv belohnt zu werden oder Bestätigung zu bekommen, ist gut dazu geeignet, Nutzer zu richtigem Verhalten zu konditionieren.
 
Erweiterungen zu diesem Projekt sind sowohl bezüglich des Szenarios als auch der Untersuchungsreihe interessant. 
Es bleiben bisher noch einige gestalterische Fragen offen. Wie wird der Nutzer in das System eingeführt? Welche Daten werden im Vorfeld erfasst (Gewicht, Körperform, Alter, körperliche Einschränkungen…) und wie kann das Interface entsprechend dadurch resultierender Vorgaben modifiziert werden? Dies ist vor allem bezüglich der Position der angezeigten Elemente interessant. Gibt es Anpassungen bei besonders großen oder kleinen Menschen? Wie kann die Kontur an jeden persönlich angepasst erzeugt werden? 
Die Untersuchungsreihe könnte um weitere Erkenntnisse erweitert werden: Welche Anforderungen haben dreidimensional angelegte Übungen an die Gestaltung? Welche Bereiche sind besonders gut für ein spiegelndes Interface geeignet beziehungsweise wie weit reicht die Übertragbarkeit dieses Systems?