QI - Qualitätsmerkmale der Interaktionsgestaltung

Anhand des Systemaufbaus QI wird die Wahrnehmung der Qualitätsmerkmale der Interaktionsgestaltung soweit sensibilisiert, dass Verknüpfungen zu unterschiedlichen Merkmalen erkannt und die Relevanz der Interaktionsgestaltung verdeutlicht werden kann.

qinteractions.de

 

Zu Beginn der Erarbeitung unserer Bachelorthesis betrachteten wir die Begrifflichkeit „Wertigkeit gestalten“ genauer und stellten fest, dass das Verständnis des Begriffes in verschiedenster Weise sowohl von Marketingmethoden als auch Produktvermarktungen verzerrt wird. 

Somit wurde deutlich, dass das Verständnis unseres Ansatzes einer genaueren Begriffsanalyse bedarf, um Problemlösungen definieren zu können. Es muss untersucht werden, was der Begriff „Wertigkeit“ aussagt. Direkt bedeutet Wertigkeit, aus dem Lateinischen von valentia abgeleitet, Stärke.
Firmen suggerieren uns ein Gesamtbild der Wertigkeit – alles soll eine gewisse Stärke und Funktion aufweisen, so dass wir dieses gerne besitzen und nutzen möchten. Jedoch weist das Produkt oder die Dienstleistung meist an sich nicht die Wertigkeit auf, welche uns anhand von Bildern und Aussagen über das Produkt suggeriert wird – es wird eine „künstliche“ Wertigkeit geschaffen – ein Imagebild, welches dem realen Produkt oder der Dienstleistung meist nicht entspricht.

Die Erwartungshaltung, mit welcher ein jeder an solch eine Dienstleistung oder Produkt herantritt, weicht in jedem Kontext voneinander ab. Dies liegt daran, dass gebildete Imagebilder und Produkterfahrungen von jeder Person, die jeweils unterschiedliche Entwicklungs- und soziodemografische Hintergründe aufweist, auf unterschiedlichste Art und Weise aufgenommen und gedeutet werden. Meinungsbilder sind nur sehr schwer zu steuern und ein langwieriger und feinfühliger Projektprozess für Objekte, Produkte und Dienstleistungen.  

Sehen wir Wertigkeit als Stärke im Sinne von Eigenschaft und Nutzererwartung, trifft im Kontext der Begriff Qualität die zu erarbeitende Thematik. Qualitas (lat.) bedeutet soviel wie Beschaffenheit, Merkmal, Zustand – im weiteren Sinne die Summe aller Eigenschaften eines Objektes, Systems oder Prozesses.

Sowohl in unserem Exposé als auch in unserer Zwischenpräsentation der Bachelorthesis haben wir auf die Problematik hingewiesen, dass es meist nicht an der Kompetenz einzelner Experten liegt, interaktive Systeme, welche mit komplexen Prozessen verknüpft sind, kontextbezogen zu gestalten.
Es liegt vielmehr an der Fülle der zu beachtenden Merkmale, die es im Kontext zu betrachten gilt – Grundproblematik sind mangelndes Verständnis und der fehlende Zugang zu einzelnen Merkmalen, sodass diesen nicht die notwendige Entwicklungs- und Anpassungsleistung entgegengebracht werden kann. Letztendlich leidet das Gesamtkonstrukt eines Objektes, Produktes oder einer Dienstleistung darunter, wenn einzelne Merkmale entwickelt und umgesetzt werden, ohne aufeinander abgestimmt zu sein.

In den immer kürzeren und schnelleren Konzept- und Produktentwicklungszyklen werden meist Standard-komponenten für unterschiedlichste Merkmale verwendet, die jedoch nicht auf Kontext oder gar andere Merkmale angepasst sind. Ein interaktives System muss zwingend mit all seinen dazu verwendeten Merkmalen an den umliegenden, eingebetteten sowie zu steuernden Kontext angepasst werden. Ein Objekt mit welchem interagiert werden kann, weist erst dann die gesamte Nutzenqualität auf, wenn in der Summe alle Eigenschaften des Objektes ineinandergreifen und aufeinander abgestimmt sind.

Beachtet man verschiedene Nutzer, deren soziodemografische Entwicklung und versucht vorangegangen Erläutertes auf jeden Nutzer bei interaktivem System und dem Gesamtsystem anzupassen, wird deutlich, dass dies nur bedingt möglich ist. Interaktive Systeme können nicht für jede Erwartungshaltung konform und des Weiteren kontextangepasst ausgelegt sein. 

Aus Untersuchungen wird jedoch ersichtlich, dass sich unterschiedliche Muster bei Interaktionen durchsetzen konnten – woran liegt das?

Mit der Entwicklung der Technologie wurden unterschiedlichste Interaktions-Patterns benötigt, welche zu Beginn meist intuitiv belegt wurden. Setzte sich ein System durch, konnte sich auch deren Interaktions-Pattern mit durchsetzen. Mittlerweile haben Unternehmen nicht immer die Möglichkeit, Interaktions-Patterns für sich alleine zu beanspruchen, um für ein Objekt, Produkt oder eine Dienstleistung eine eigene „User-Experience“ zu schaffen und als Markenträger zu nutzen. 

Interaktions-Patterns konnten aufgrund der Übersichtlichkeit noch einzelnen Funktionen zugeschrieben werden, durch die Fülle der technischen Möglichkeiten und der breiten Facette an Eingabemedien und Funktionen werden bestehende Interaktions-Patterns neuen Funktionen zugewiesen. Der Nutzer kann sich somit nicht immer auf seine Erwartung verlassen – die Sicherheit der Bedienung schwindet. Umso wichtiger ist es hier, genau zu beachten, zu welcher Funktion welche Interaktions-Patterns in welchem „Use-Case“ verwendet werden, um dem Nutzer eine bestmögliche User-Experience zu ermöglichen.

Die DIN EN ISO 9241-110 versucht erstmalig als „Standard“ für die Interaktionsgestaltung zu fungieren. Sie formuliert einen Anspruch an ein Interaktives System, welcher durch

folgende Merkmale definiert wird: Aufgabenangemessenheit, Selbstbeschreibungsfähigkeit, Steuerbarkeit, Erwartungskonformität, Fehlertoleranz, Individualisierbarkeit, Lernförderlichkeit und Konsistenz. Untersucht man diese Merkmale genauer, wird deutlich, dass diese in unterschiedlichen Ebenen viele weitere Merkmale beinhalten, welche wiederum miteinander Synergieeffekte ergeben oder im schlechten Falle sich benachteiligend für das Interaktive System auswirken können. Umso wichtiger ist es, alle Merkmale und deren Auswirkung auf ein zu entwickelndes Interaktives System zu erkennen, so dass diese bewusst aufeinander abgestimmt werden können.

Betrachten wir die Entwicklung von Systemen, welche
Interaktionen zulassen, hat die Interaktionsgestaltung die Möglichkeit, schnell und prototypisch Merkmale im Zusammenspiel erfahrbar zu gestalten und anhand der Zielfunktionen im Gesamtkontext zu testen. Unsere Ausarbeitung ermöglicht es, Merkmale einzeln zu betrachten, wahrzunehmen und im Kontext der Funktion zu erfahren. Somit stellen wir einzelne Merkmale der  Interaktionsgestaltung, die sich in sechs themenbezogenen Use-Cases einordnen ließen, erfahrbar zur Verfügung. Alle Merkmale, welche in der Summe zueinander auf Funktion und Qualität optimal abgestimmt sind, können ebenso modifiziert werden, dass ersichtlich wird, welche Auswirkungen es haben kann, ein Merkmal zu verzerren und somit eine angepasste Interaktion unpassend zu erfahren.

Die sechs exemplarischen Use-Cases bestehen aus Merkmalen des visuellen Interfaces, der Anpassung eines Interaktiven Systems an eine Funktion, der Animation von Inhalten und Elementen eines Interfaces, der Synchronisation von Merkmalen innerhalb eines Interaktiven Systems, der intuitiven und erwartungskonformen Interaktion sowie der Ergonomie interaktiver Eingabesysteme.

Die spezifische Ausarbeitung der Konzepte, in Form von Use-Cases, wird auf einem Ausstellungssystem zugänglich zur Verfügung gestellt.  Sechs einzelne Stelen in aufsteigender Komplexität behandeln die obenstehenden Themen, welche unterschiedlichste Merkmale als zusammenhängende Systeme verdeutlichen. Die erfahrbaren Merkmale, zugänglich als Use-Cases, verstehen sich als Auszüge der Merkmale, welche in ihrer Summe Qualitätsmerkmale der Interaktionsgestaltung bilden können. 

Anhand des Systems, welches wir zur Verfügung stellen, kann die Wahrnehmung der Qualitätsmerkmale der Interaktionsgestaltung soweit sensibilisiert werden, dass Verknüpfungen zu nicht erwähnten Merkmalen erkannt und die Relevanz der Interaktionsgestaltung verdeutlicht werden kann.

Einzelne Use-Cases wurden auf einer Internetplattform, welche unter www.qinteractions.de erreichbar ist, dokumentiert, sodass Projektentwickler, Gestalter und Themeninteressierte die Möglichkeit haben, nachhaltig die Prototypen exemplarisch zu betrachten und auf eigene Entwicklungen anzuwenden bzw. die Relevanz der Thematik Projektmitgliedern zu verdeutlichen.

Wir sind davon überzeugt, dass bei einer Interaktion, welche eine hohe Qualität auszeichnet, in der Summe alle Qualitätsmerkmale erkannt und exakt an Kontext und Funktion angepasst wurden.

Unsere Ausarbeitung trägt den Titel „QI“. Uns lag viel daran zu verdeutlichen, dass eine optimierte Interaktion wesentlicher Grundbestandteil dafür ist, welche Haltung wir gegenüber einem Objekt, Produkt oder Firmenbild entwickeln. 

Wünschenswert wäre es, jedes Interaktive System für jeden Nutzer bestmöglich optimal entwickeln zu können, so dass diesem die Funktion optimal zugänglich gestaltet werden kann – Ziel der Bachelorthesis ist daher, die Sensibilisierung des Verständnisses, dass erst dann der Spaß- oder Gebrauchswert der Funktion in den Vordergrund gerät, wenn das dazugehörige Interaktionssystem unter Beachtung aller Merkmale eine optimale Interaktion mit dem Objekt, Produkt, oder Dienstleistung zulässt, ohne sich unnötig in den Vordergrund zu stellen.