Krankheiten auf Wanderschaft

Die Bachelorarbeit „Krankheiten auf Wanderschaft“ beschäftigt sich mit der weltweiten Ausbreitung von Infektionskrankheiten, die durch Mücken übertragen werden. »Das Mückenlabor« ist eine Medienstation zum Thema Stechmücken als Infektionsrisiko. Die interaktive Installation ist Teil einer Ausstellung, die sich mit der weltweiten Ausbreitung tropischer Infektionskrankheiten und deren Überträgern beschäftigt. Im Mückenlabor lernt der Besucher vier gefährliche Mückenarten spielerisch kennen.

Thema

Die Bachelorarbeit „Krankheiten auf Wanderschaft“ beschäftigt sich mit der weltweiten Ausbreitung von Infektionskrankheiten, die durch Mücken übertragen werden. Dabei entstand das Konzept einer Ausstellung im Flughafen mit dem Ziel, Reisende über die potentielle Gefahr der Mücken aufzuklären. Im Rahmen der Arbeit wurde ein ausgewählter Teil der Ausstellung konzeptionell und gestalterisch ausgearbeitet.

Krankheiten und Seuchen begleiten die Menschheit schon seit jeher. Es kommt immer wieder zu Epidemien, die zahlreiche Menschenleben kosten, wie zum Beispiel die große Pestepidemie im Mittelalter. Heutzutage hat sich die Situation gerade in Deutschland und anderen Industriestaaten zum Positiven geändert. Anders verhält es sich in zumeist ärmeren Teilen dieser Erde. Gerade in den Tropen oder Subtropen herrscht ein hohes Risiko von diversen Tieren Krankheiten übertragen zu bekommen. Stechmücken zählen in vielen dieser Länder zu den wichtigsten Krankheitsüberträgern.

Durch den globalen Handel und den Klimawandel entwickelt sich ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Immer mehr Mückenarten, die das Potential tragen, Krankheiten zu verbreiten, „wandern“ beispielsweise als Eier in Altreifen um die Welt und finden, bedingt durch die Erderwärmung, an immer mehr Orten ideale Lebensbedingungen vor. So gibt es die Asiatische Tigermücke, die nachweislich über 20 verschiedene Krankheiten übertragen kann, bereits in Teilen Deutschlands. Ein Reisender, der sich im Urlaub beispielsweise mit dem Dengue-Virus infiziert hat und in Deutschland von einer Tigermücke gestochen wird, kann dadurch eine Epidemie in Gang setzten. Mit dieser Problematik beschäftigen sich Forschungseinrichtungen, wie das Robert Koch-Institut, bereits jahrelang. Dennoch ist das wachsende Risiko in der Bevölkerung kaum bekannt. Gerade Reisende informieren sich kaum über Infektionsgefahren im Urlaubsland und schleppen daher immer wieder Erreger in ihre Heimat ein.

 

Ziel

Das Projekt hat das Ziel, diesem Problem entgegen zu steuern. Aus dem Ziel, dem inhaltlichen Fokus und der Zielgruppe ergibt sich der Ausstellungsort. Der Flughafen als Brennpunkt für den internationalen Austausch steht im direkten Zusammenhang mit der weltweiten Verschleppung von Tieren, Pflanzen und Krankheiten. Im Flughafengebäude soll eine Ausstellung über Krankheiten, die Mücke als Überträger, Eigenschutzmaßnahmen und die Problematik im globalen Kontext aufklären. Die Zielgruppe sind Fluggäste, die betroffene Länder bereisen. Mit einer teilweise interaktiv gestalteten Ausstellung klären wir über den Risikofaktor Mücke auf. Beispielhaft haben wir die Ausstellung in den öffentlichen Bereich des Flughafens Stuttgart gelegt, sie kann aber auch in anderen Flughäfen und anderen Bereichen stationiert werden.

Unter den Fluggästen wollen wir vor allem Touristen ansprechen. Das Alter der Zielgruppe reicht von jungen Erwachsenen bis zu Personen mittleren Alters. Diese Alterseinschränkung ergibt sich aus der Altersverteilung der Urlaubsreisenden in Abhängigkeit ihrer Reiseziele und Krankheitsfällen unter den Urlaubern. Im Kern konzentriert sich das Alter auf zirka 20 bis 50 Jährige. Die Ausstellung erklärt diesen Personengruppen nicht nur, wie sie sich am besten vor Mückenstichen und damit auch Krankheiten schützen, sondern verkürzt auch die teilweise langen Wartezeiten in den verschiedenen Bereichen des Flughafens. Dadurch, dass die Urlauber lernen sich zu schützen und das Wissen im besten Fall umsetzen, wird die Wahrscheinlichkeit zu erkranken reduziert. Der Eigenschutz ist gleichzeitig auch ein Schutz für die Gesamtbevölkerung.

 

Projektbeschreibung

Die Station, die sich mit den verschiedenen Mückenarten auseinandersetzt und über diese aufklärt ist „Das Mückenlabor“. Die interaktive Medieninstallation wurde im Rahmen der Bachelorarbeit ausführlich bearbeitet. Im Mückenlabor begegnet der Ausstellungsbesucher den Mücken in digitaler Form auf einem 39 Zoll Touch-Display. Dieser ist horizontal in die Wand eingelassen. Das Summen von Mücken ist zu hören. Der Besucher kann mit den digitalen Mücken durch Motiontracking interagieren. Mit einem Beamer, der über dem Screen angebracht ist, werden zusätzlich Mücken auf die Hand projiziert. Die Mücken reagieren nativ auf Bewegungen. Das heißt, sie nähern sich, wenn der Nutzer die Hand ruhig hält und schwirren davon, sobald er die Hand bewegt. Einzelne Mücken können mit einem Tangible in Form eines Lupenglases gefangen und daraufhin untersucht werden.

 

Mücke einfangen

 

Dieser Vorgang wird von einem realen Zusammenhang abgeleitet, nämlich dem Fangen und Untersuchen von Mücken in einem Mückenlabor. Der Nutzer fängt eine Mücke mit dem Lupenglas. Daraufhin bekommt er ein kleines Informationsfenster zur Mücke angezeigt. Er kann nun entscheiden, ob er die Mücke untersuchen will oder lieber eine andere fängt. Will er die Mücke untersuchen, schiebt er sie auf die Untersuchungsfläche. Sobald sich das Lupenglas auf der Untersuchungsfläche befindet, schiebt sich von rechts die Informationsebene auf. Das Summen ist nun nicht mehr zu hören. Die Informationsebene ist in drei Themengebiete untergliedert: Mögliche Krankheiten die diese Stechmückenart übertragen kann, ihre Verbreitungsgebiete auf der Welt und ihr Aussehen.

Im Abschnitt “Krankheiten” wird der Nutzer dazu aufgefordert, seine Hand in eine mittig angeordnete Kreisfläche zu legen. Daraufhin wird seine Hand getrackt, es erscheinen innerhalb des Kreises Mücken und je nachdem ob die Mückenart summt oder nicht Geräusche. Die Mücken fangen an die Hand zu stechen, bis es schließlich zu einer Infektion durch eine infizierte Mücke kommt. Der Nutzer sieht daraufhin wie der Virus sich in seiner Hand ausbreitet und schließlich werden die verschiedene Symptome auf seiner Hand visualisiert. Während jedem Schritt, dem Stechvorgang, der Infektion und den Symptomen wird zeitgleich ein neues kleines Informationsfenster rechts oben von der Kreisfläche geöffnet, dass relevante Informationen zum aktuellen Vorgang aufzeigt.

 

Beamerprojektion

 

Dieses Prinzip wird auch in den anderen Menüpunkten beibehalten. Im Menüpunkt „Verbreitung“ kann der Nutzer sich an einem Globus über die verschiedenen Verbreitungsgebiete der Mücken informieren.

 

Verbreitungsgebiete

 

Im letzten Abschnitt, dem Aussehen, können Fotos zu den besonderen äußerlichen Merkmalen der Mücke aufgerufen und betrachtete werden.

 

Aussehen

 

Wird die Informationsebene wieder geschlossen, befindet sich der User wieder im Bereich mit den fliegenden Mücken und kann erneut mit den Mücken interagieren.

 

Fazit

Ausstellungen im Flughafen gibt es bereits, allerdings noch keine zu diesem konkreten und wichtigen Thema. Die Kombination aus Gamification und Wissensvermittlung bildet eine spannende Einheit, bei der der Forscherinstinkt geweckt und gleichzeitig durch die ungewohnte Erfahrung Begeisterung hervorgerufen wird. Aufgrund dieser hohen Emotionalität bleibt das Erfahrene länger im Gedächtnis und wir eher umgesetzt.